Seit Samstag, 01.03.25, noch bis mindestens zum 14.03.25 gilt wieder einmal ein Ersatzfahrplan zwischen Oldenburg und Wilhelmshaven. Grund dafür sind Gleisbauarbeiten in Varel. Was der Ersatzfahrplan aber verschweigt, ist, dass derzeit fast kein Zug in Richtung Wilhelmshaven nördlich von Rastede pünktlich verkehren kann. Es kommt bei den Zügen des RE18 zwischen Rastede und Wilhelmshaven zu Verspätungen von 15 Minuten und mehr. Das an sich ist schon misslich genug. Da sich dies aber nirgendwo in den Fahrplänen wiederfindet und auch die Fahrpläne der Regionalbusse an den Bahnhöfen nicht angepasst wurden, obwohl die Bauarbeiten den Verantwortlichen frühzeitig bekannt waren, verpassen nun täglich etliche Reisende ihren Anschluss und müssen mindestens eine Stunde warten – und werden danach vermutlich wieder auf das Auto wechseln.
Die Auswirkungen der Bauarbeiten im Detail:
- Die Züge der beliebten RS3 entfallen – wieder einmal – komplett; ebenso einzelne Züge des RE18 in Tagesrandlagen
- Solange in Varel nur über Gleis 3 gefahren werden kann, erhalten die allermeisten Züge in Richtung Wilhelmshaven nördlich von Rastede mindesten 15 Minuten Verspätung, bei verspäteten Gegenzügen auch mehr.
- Bei erheblichen Verspätungen kann es zu einer vorzeitigen Wende des RE18 aus Oldenburg in Sande kommen, um den Gegenzug nicht verspätet verkehren zu lassen.
- Der Anschluss an die RB59 und damit zu den Inseln in Sande kann nur mit Glück gesichert werden.
- Zahlreiche Regionalbusanschlüsse funktionieren währenddessen nicht. Das betrifft mindestens die Stationen Varel, Sande, Wilhelmshaven, kann aber im Einzelfall auch alle weiteren, auf die RB59 ausgerichteten Busanschlüsse bis Esens betreffen, wenn in Sande auf Reisende aus Oldenburg gewartet wird.
Der Fahrgastverband PRO BAHN ist empört darüber, dass eine einzige punktuelle Baustelle in Varel wochenlang den gesamten Fahrplan durcheinanderwirbeln kann. Grund dafür ist, dass in Varel derzeit nur Bahnsteiggleis 3 angefahren werden kann – die anderen Gleise werden für die Bauarbeiten benötigt. Das führt aber in der Praxis dazu, dass die teuer ausgebaute Strecke zwischen der nördlichen Einfahrt in den Bahnhof Sande und der südlichen Ausfahrt aus Jaderberg durchgehend eingleisig ist. Hier hat man beim Ausbau bewusst unterlassen, weitere Weichen zwischen den Streckengleisen zu verbauen. Züge können sich hier momentan auf über 20 Kilometern Strecke nicht begegnen. Die Verspätungen entstehen, weil sich die Personenzüge planmäßig unmittelbar südlich von Varel begegnen würden, aber nun tagelang der nordwärts fahrende Zug den südwärts fahrenden Zug bereits südlich von Jaderberg vorbeilassen muss und deswegen dort außerplanmäßig etliche Minuten steht. Die beigefügte Gleisplanskizze zeigt die derzeitige Situation.
Hans-Joachim Zschiesche, Vorsitzender des Regionalverbands Ems-Jade von PRO BAHN, verweist auf die horrenden Kosten des Ausbaus: „In die Strecke sind 1,3 Milliarden Euro geflossen, und trotzdem kommt es bei kleinsten Baustellen bereits zu Chaos. Das darf nicht sein! Nur weil man ein paar Euro sparen wollte, wurden zum Beispiel eine Weichenverbindung südlich Varel weggelassen, die jetzt wichtig gewesen wäre.“ Mit einer Weiche vom östlichen auf das westliche Streckengleis direkt hinter Varel könnte der Gegenzug aus Oldenburg nun bis zur südlichen Einfahrt von Varel vorfahren. Der eingleisige Abschnitt wäre sechs Kilometer kürzer. Die Einfahrt in Varel wäre mit minimaler Verspätung möglich. Alle Busanschlüsse könnten gesichert werden. Zschiesche kritisiert ebenso den völlig unnötigen Rückbau der Überleitstelle Schwarzer Rabe zwischen Varel und Sande, der die Streckenkapazität erheblich einschränkt, und den nach wie vor fehlenden Mittelbahnsteig in Sande: „Diese eigentlich selbstverständliche, aber aus falschem Geiz fehlende Infrastruktur könnte uns Fahrgästen das Leben massiv erleichtern.“
PRO BAHN stellt die Frage, was solche Baustellen ohne die fehlenden Weichen bedeuten werden, wenn der Güterverkehr zum JadeWeserPort weiter zunimmt. Es steht zu befürchten, dass dann der Personenverkehr ganz eingestellt werden muss, um wenigstens die Güterzüge durch den überlangen eingleisigen Abschnitt zu schleusen. Die lokale Politik muss hier dringend handeln!
Für Malte Diehl, Vorsitzenden des PRO-BAHN-Regionalverbands Oldenburger Land/Bremen spielt aber noch etwas anderes eine Rolle: „Wie kann es sein, dass die Fahrplanauskunft so tut, als gäbe es keine Probleme? Wie kann es sein, dass die Busanschlüsse in Varel, Sande oder Wilhelmshaven nicht gesichert werden?“, fragt er und sieht ein massives Problem in Kommunikation und Engagement der Beteiligten. Positiv hervorheben möchte PRO BAHN allerdings, dass die NordWestBahn offenbar versucht, in Sande möglichst viele Anschlüsse an die RB59 zu sichern.
Nach dem aktuellen Kenntnisstand des Fahrgastverbands hat DB InfraGo als zuständiger Infrastrukturbetreiber der Strecke die NordWestBahn als verantwortlichem Eisenbahnverkehrsunternehmen zwar mitgeteilt, dass und wann die Baustelle stattfindet und dass auch Verspätungen möglich sind, jedoch nicht so genau, dass daraus ein korrekter Ersatzfahrplan mit abweichenden Regelfahrzeiten hätte erstellt werden können. Daraufhin ist der von der NordWestBahn veröffentlichte Ersatzfahrplan mit den nicht haltbaren Fahrzeiten in Richtung Wilhelmshaven erstellt und in die Fahrplanauskunft eingepflegt worden. Leider wurde versäumt, einen Hinweis auf die möglichen Verspätungen einzufügen.
Gleichzeitig hat PRO BAHN in Vorkenntnis dieser Verspätungen die Verkehrsregion Ems-Jade informiert, damit die zuständigen ÖPNV-Koordinatoren in Friesland und Wilhelmshaven für die Sicherung der Anschlüsse an die nur stündlich oder zweistündlichen Regionalbusse sorgen können. Geschehen ist bis dato offenbar nichts. Die Baumaßnahme war aber seitens der DB schon deutlich länger bekanntgemacht worden, so dass es eine Möglichkeit gegeben hätte, die nötigen Schritte einzuleiten.
Malte Diehl dazu: „Wir erwarten, dass auch der Landkreis Friesland und die Stadt Wilhelmshaven beim Bekanntwerden von Bauarbeiten prüfen, ob sich dadurch Auswirkungen auf die Busanschlüsse ergeben können. Wenn DB InfraGo, was nach unserer Kenntnis der Fall ist, dabei mögliche Verspätungen ankündigt, muss auch im Busverkehr reagiert werden. Es hätten die Abfahrtszeiten an die zu erwartenden Verspätungen angepasst und dafür zur Not auch zusätzliche Busse und Fahrer aktiviert werden müssen, etwa von Varel nach Dangast, wo dann vorübergehend zwei Umläufe nötig sind.“ Hans-Joachim Zschiesche ergänzt: „Wer aus Oldenburg nach Dangast ans Meer will und dann wegen solcher Versäumnisse eine Stunde in Varel bei Wind und Wetter am Bahnhof stehen muss, tut das genau einmal und nimmt dann wieder das eigene Auto. So kann öffentlicher Personenverkehr nicht funktionieren.“
Anlage: Gleisplan zwischen Sande und Jaderberg
Links: Aktueller Gleisplan zwischen Sande und Jaderberg. Dargestellt sind sämtliche Gleise mit Ausnahme des Güterbahnhofs Sande, die Bahnsteige sowie, mit rotem X markiert, die derzeit infolge der Bauarbeiten nicht verfügbaren Gleise.
Rechts: Gleisplan mit den von PRO BAHN geforderten Ergänzungen in Rot. Dies sind namentlich eine zusätzliche Weichenverbindung vom östlichen zum westlichen Streckengleis in der südlichen Bahnhofsausfahrt von Varel, der Wiederaufbau der beidseitigen Überleitstelle Schwarzer Rabe auf halber Strecke zwischen Sande und Varel sowie der Mittelbahnsteig in Sande. Alleine durch die zusätzlichen Weichen, deren Einbau bzw. Erhalt im Vergleich zu den Gesamtkosten des Ausbaus absolut vernachlässigbar gewesen wären, hätten für die aktuellen Bauarbeiten jegliche nennenswerte Verspätung und der Ausfall aller RS3-Fahrten verhindert werden können. Der eingleisige Abschnitt wäre nur 7-8 Kilometer statt 20 Kilometer lang gewesen.
