Fahrgastverband PRO BAHN fordert Zubringer-Züge zu den Logistikzentren in Ahlhorn und Achim

Wachsender Pendlerverkehr zu den Amazon-Standorten Ahlhorn und Achim

Das Amazon-Logistikzentrum in Ahlhorn ist mit über 2.500 Mitarbeitern einer der größten und wichtigsten Arbeitgeber im Landkreis Oldenburg. Viele Beschäftigte pendeln täglich mit Bahn und Bus dorthin. Das führt insbesondere in den Zügen der Linien RE 18 und RB 58 oft zu überfüllten Zügen, was wiederholt zu Berichten in den regionalen Medien führte. Während der RE 18 direkt in Ahlhorn hält, steigen die Mitarbeiter, die die RB 58 nutzen, in Wildeshausen auf von Amazon bereitgestellte Zubringerbusse um.

Um zukünftig Überfüllungen zu vermeiden und den Pendlern gleichzeitig kürzere An- und Abfahrten zu ermöglichen, schlägt der Fahrgastverband PRO BAHN vor, einen neuen Amazon-Shuttle von Bremen direkt nach Ahlhorn fahren zu lassen. Dies ist auch für die anderen Reisenden von Bedeutung, zumal mit einem weiteren Wachstum von Amazon in Ahlhorn und damit einer weiteren Zunahme der Pendlerströme zu rechnen ist.

„Viele Beschäftigte des Logistikzentrums kommen aus Bremen. Für sie könnte man die Anreise deutlich schneller und komfortabler gestalten, wenn zu den Schichtwechselzeiten jeweils ein Zubringerzug direkt aus Bremen nach Ahlhorn führe. Mit Zwischenhalten nur in Bremen-Neustadt und Delmenhorst könnte der Zug Ahlhorn in knapp 50 Minuten umsteigefrei erreichen. Der Oldenburger Hbf würde über die Hemmelsberger Kurve umfahren“, erläutert Malte Diehl vom Fahrgastverband die Idee. „Dadurch werden die anderen Züge massiv entlastet, weil damit nur noch die Mitarbeiter fahren müssten, die nicht aus dem Raum Bremen kommen.“

Zwar ist besonders die Bahnstrecke Oldenburg – Bremen stark belastet; die beiden für den derzeitigen Zweischichtbetrieb bei Amazon nötigen Zugpaare lassen sich darauf aber noch unterbringen. Da sie nicht in ein Taktschema fallen, besteht hier bei der Trassenplanung eine gewisse Flexibilität, solange die Schichtwechselzeiten getroffen werden.

Auch auf die Frage, woher die nötigen Fahrzeuge kommen sollen, hat der Fahrgastverband eine Antwort: „Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2026 fährt die Nordwestbahn nur noch zweistündlich mit dem RE 18 zwischen Oldenburg und Wilhelmshaven, weil hier der Vorlaufbetrieb für den RE 1 nach Hannover mit Elektrotriebwagen von DB Regio beginnt. Dadurch werden mindestens zwei Dieseltriebwagen der Baureihe LINT 41 frei, die für den Amazon-Shuttle genutzt werden könnten“, erläutert Verbandsvorsitzender Malte Diehl. Eine Doppeltraktion LINT 41 bietet rund 250 Sitzplätze und zahlreiche weitere Stehplätze.

Auch die Kosten lassen sich recht konkret abschätzen: Für den neuen Zubringer müssten die Bundesländer Niedersachsen und Bremen werktäglich 280 Zugkilometer neu bestellt werden. Das bedeutet pro Jahr ca. 85.000 Zugkilometer insgesamt. Damit wären insgesamt, unter Berücksichtigung der Fahrgeldeinnahmen, voraussichtlich Mehrkosten von knapp unter einer Million € im Jahr verbunden. Gleichzeitig könnte der Zubringerverkehr mit Bussen reduziert werden, und es würden weitere Pendler auf die Schiene wechseln, weil sich das Angebot verbessert. Eventuell besteht auch die Möglichkeit einer finanziellen Beteiligung Amazons infolge der reduzierten Kosten für die Buszubringer.

Als weitere Verbesserungsmöglichkeit sieht PRO BAHN eine Durchbindung einzelner Züge der RB 58 über Bremen Hbf hinaus bis nach Achim, wo sich ein weiteres Amazon-Logistikzentrum befindet. Auch dort arbeiten über 2.000 Menschen, was Amazon im Landkreis Verden ebenfalls zu einem der größten Arbeitgeber macht, und am Bahnhof Achim kam es zu den Schichtwechselzeiten immer wieder zu teils chaotischen Szenen und überfüllten Zügen.

„Die Züge der RB 58, die zwischen Osnabrück, Vechta und Bremen verkehren, haben in Bremen Hbf planmäßig eine Wendezeit von gut 40 Minuten. In dieser Zeit kann man, statt in der Abstellung zu warten, problemlos mit Zwischenhalt in Bremen-Mahndorf nach Achim fahren, dort auf Gleis 3 wenden und wieder zurückfahren“, stellt Verbandsvorsitzender Malte Diehl fest. „Diese Verbesserung bedarf keiner neuen Fahrzeuge, es müssten lediglich die zusätzlichen Trassen bestellt werden. Die LINT-Doppeltraktionen, die auf der RB 58 planmäßig eingesetzt werden, schaffen auch hier dringend benötigte Kapazitäten.“ Diese zusätzlichen Fahrten wären gleichermaßen eine willkommene Ergänzung zur RS 1, die immer noch nicht durchgehend im Halbstundentakt fährt und perspektivisch bis Achim sogar viertelstündlich fahren soll.

Da Amazon in Achim nach einem Dreischichtsystem arbeitet, müssten bis zu sechs Zugpaare an Werktagen verlängert werden, was insgesamt 180 Zugkilometern pro Werktag oder 55.000 Zugkilometern pro Jahr entspricht. Die Mehrkosten dieser Verbesserung dürften sich im Bereich von gut 500.000 € bewegen, gegebenenfalls sogar niedriger, weil keine zusätzlichen Fahrzeuge bereitgehalten werden müssen. Der Fahrgastverband PRO BAHN erhofft sich, dass die Verantwortlichen diese Vorschläge aufgreifen und einen ernsthaften Versuch unternehmen, diese neue Verbindung zu etablieren. Dies wäre ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung Verkehrswende mit sehr überschaubarem Mitteleinsatz.

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